Cappadocia Bike Festival

Der letzte Rennbericht liegt bereits etwas zurück, doch von meinem spontanen Trip in die Türkei muss ich einfach ein paar Worte schreiben, denn die freundlichen Menschen, die atemberaubende Landschaft Kappadokiens, die gute Stimmung und schlussendlich auch ein tolles Rennen werden mich diese Reise nicht so schnell vergessen lassen. 

Am Mittwoch am späten Nachmittag entschloss ich mich nach einer 100 Kilometer langen Biketour spontan am Donnerstag in die Türkei zu fliegen um dort am Freitag beim Cappadocia Stage Race zu starten. Ich war gespannt was mich erwartet, auch weil ich wirklich mit naiv wenig Gepäck reiste: Mein Focus Fully, vier Hosen, vier Trikots, Helm, Satteltasche mit Tool, CO2-Kartusche und Schlauch und ein paar Nutrixxion-Riegel – das wars. Für ein dreitägiges Etappenrennen auf teils felsigem Boden auf unbekanntem Terrain. Der Optimist in mir hatte sich durchgesetzt. 

Am Freitag holte ich meine Startnummer und war gespannt was der kurze knapp 6 min lange Prolog bringen würde. Es war vor allem eine brennende Lunge. Aber auch das Leader Jersey, super, das bedeutete auch ein Trikot mehr zum Wechseln für den gesamten Trip… 😉

Am nächste Tag führte dann eine 26,5km lange Point-to-Point Etappe über Singletrails durch die Canyons von Kappadokien, bevor die letzten etwa 10km leicht ansteigend und gegen den Wind zurück ins Ziel führten. 
Doch ich sah das Ziel bereits einmal viel zu früh… Nachdem ich mich etwas abgesetzt hatte, fehlte an einer Stelle der Strecke eine korrekte Beschilderung. Genau an der Stelle, wo sich die XCO-Strecke für den Sonntag von der XCP-Strecke für den Samstag trennten. So merkte ich erst dass ich falsch bin, als ich plötzlich den Zielbereich in Sichtweite hatte. Ich drehte um, fand irgendwie die Strecke wieder und warf meine Taktik, mir das Rennen mit Blick auf das harte XCO-Rennen am Sonntag über den Haufen und fuhr im „Kamikaze-Stil“ und mit Vollgas um den Schaden zu limitieren… Mit 3 Minuten Rückstand und als 5. kam ich ins Ziel. Dort erfuhr ich über den Ausschilderungsfehler des Veranstalters und dass dieser neben mir noch 3 weitere Fahrer zum Verhängnis wurde.
So führten wir gemeinsam Gespräche mit dem UCI Kommissär und Veranstalter und konnten über die GPS-Aufzeichnungen nachweisen, wie viel Zeit jeder Fahrer tatsächlich durch die Streckenabweichung verloren hatte. Für mich waren das 7:50min (und ein verdammt harter Anstieg).
Daraufhin wurde das Tagesklassement geändert und ich durfte mich schließlich sogar über den Etappensieg freuen.

Am letzten Tag merkte ich die Beine vor dem abschließenden XCO Rundstreckenrennen dann ganz ordentlich. Doch ich war damit sicher nicht der einzige Fahrer und so wollte ich versuche meine Gesamtführung zu verteidigen. 
Immerhin kannte ich heute den Schlussanstieg von meinem Verfahren von Samstag…
Schlussendlich konnte ich auch die letzte Etappe gewinnen und so auch mein Führungstrikot vor dem Franzosen Demy Duquesne und dem Kasachen Kirill Kazantsev verteidigen.

Doch es gibt über diesen Trip noch mehr zu erzählen. Super spontan, ohne Vorbereitung und ohne Erwartungen, also musste es gut werden. Die Atmosphäre der Teilnehmer aus verschiedenen Ländern trotz teilweiser Sprachbarrieren super, nach den Etappen wurde sich  im Zielbereich getroffen. Sehr entspannte Stimmung.
Mit Ausnahme des Ausschilderungfehlers war die Organisation ebenfalls super. Fehler können jedem passieren, aber der Veranstalter ist damit wirklich fair umgegangen – super.
Zudem Sonne, die Bilderbuchlandschaft, tolle Singletrails und leckere türkische Küche.
So ließ ich es mir auch nicht nehmen am Sonntag nach einem dreitägigen Etappenrennen noch eine 2,5 stündige Mountainbike-Tour für den Naturpark zu machen, um möglichst viele Impressionen aufzusagen. Die kleinen Häuser, die überall in den Fels gebaut wurden sind wirklich beeindruckend. 
Und so ging es mit vielen Impressionen, einem kleinen Sonnenbrand und auch meinem ersten Saisonsieg bei einem UCI Rennen am frühen Montag Morgen zurück nach Deutschland. Aber ich werde wiederkommen 😉